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Der Aufstieg einer Wittgensteiner Familie in
Nordamerika
Eine Veröffentlichung gleichen Inhalts (mit wenigen privaten Nachträgen) erfolgte ferner von Pfarrer H. Wagner ( Vetter des 1928 nach USA ausgewanderten und wieder zurückgekehrten Georg Hüster - Zethe aus Elsoff) im Kasseler Sonntagsblatt Nr. 32 und 33 vom 11. und 18.08.1957.
Georg Hüster (Zethe) mit Enkel (Webmaster)
Am 8. Januar 1708 ließen Johann H ü s t e r aus Elsoff und seine Frau Anna Katharina einen Sohn J o h a n n taufen
( Anm.:
Zweifelhaft, dieser Sohn
ist im Brücke - Haus geboren, aus dem die Auswanderer
nicht stammten;
die Geburt des fraglichen Auswanderers dürfte vielmehr nicht
registriert sein. HG ), im Mai 1710 ( 10.05.1710 ) derselbe Vater (?)mit Katharina
Elisabeth
J
o h
a n n Hüster
heiratete im Alter von über 40 Jahren eine Mary Eppler
aus einer von Deutschland
eingewanderten Familie. Er hinterließ außer einer Tochter nur einen am
18.11.1752 geborenen Sohn J o s e p
h, der wahrscheinlich nach
seinem Großvater oder nach
seinem Onkel Jost heißen sollte. Aber die
Amerikaner wissen,
wie mir
selbst der englischstämmige
Vorsitzende eines
pennsylvanischen Geschichtsvereins versichert
hat, mit dem Namen Jost nichts anzufangen und halten ihn für eine
Umformung von Joseph.
J
o s e p h Hüster oder Hiester *1)
hat eine bemerkenswerte öffentliche Laufbahn
gehabt. Sie begann
1776 mit
seiner Wahl zum Mitglied der
sogenannten Provinzial - Konvention zu Philadelphia *2).
Schon
zwei Tage vor der Unabhängigkeitserklärung war Joseph Hiester zum
Hauptmann einer
Kompanie der im Entstehen begriffenen Revolutionsarme gewählt
worden. Aber
schon am 28.August fiel der erst Dreiundzwanzigjährige in der Schlacht
von Long Island *3) den Engländern in die Hände, kam erst
auf das
berüchtigte Gefangenenschiff Jersey und dann in das Gefängnis
zu Neuyork.
Hier erkrankte er und wurde bald ausgewechselt. Noch während seiner
Gefangenschaft war er zum Major befördert worden.
Dieses
Ergebnis hat einen aus Wittgenstein eingewanderten J.C. Benfer in Philadelphia
*4) so
begeistert, daß er dem Fürsten Friedrich Karl von Wittgenstein
„zu allerhöchst eigenhändiger
Erbrechung", einen langen Brief schrieb,
worin er die Wahl bis in
alle Einzelheiten hinein, die allen Anschein
nach in
deutscher Sprache gehaltene
Antrittsrede des neuen Gouverneurs
*5) und manches Interessante
aus der Verfassung der
Philadelphia, den 20. Dezember 1820
Durchlauchtigsten
Fürsten
Gnädigsten
Fürsten und Herrn.
Ew.
Durchlaucht werden zuförderst wegen der angemaßten
J o s e p h
Hiester ist am 10.08.1832 in seinem
Haus zu Reading
Der
zweite Sohn des Joh. Jost Hüster
zu Elsoff, J o h a n n J o s t
„At
Rest Yost Hiester, born in Europa, Died in 1780”
Der
persönlich am
meisten hervortretende jüngste der
drei Elsoffer Brüder, D a n i e l,
Es
war zu Daniels Zeiten politischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt für
einen weiten Umkreis und blieb es auch, als
D a n i e l 1774
nach R e a d i n g zog und
sein Sohn Daniel es übernahm.
Von
1777 an war der Vater Daniel Friedensrichter der Grafschaft Berks. Obwohl
er außer seinem bisher angesehenen Grundbesitz auch Teil an dem 5.000 Morgen
großen Urwaldfläche hatte, von
der bereits die Rede war, kaufte er, zum Teil offenbar zu Spekulationszwecken,
noch Land in den Grafschaften Berks, Northumberland,
Northampton und sogen. Außenlots,
Daniel Hiester
Er war geboren in der Grafschaft Wittgenstein in
Deutschland
Den 1 th January 1713,
gestorben
am 7. Juni 1795.
Das
Ehepaar hinterlässt von seinen fünf Söhnen vier und noch 2 Töchter.
Der älteste der vier Söhne
Daniels, J o h a n n
, wurde 1745 geboren, war 1777
Hauptmann im Revolutionskrieg, dann Major und stieg, erst nach Beendigung
des Krieges, zum
Generalmajor auf. Von 1802 - 1808 war er Staatssenator,
von 1807
- 1809 Vertreter der
Grafschaft Chester in Pennsylvanien im Nationalkongress, also das, was nach
unserer
Der nächste
Sohn Daniels, D a n i e l ,
1747 wie alle seine Brüder im Hiesterhaus geboren,
heiratete 1770 Rosanna Hager, die Tochter des Jonathan
Hager zu Hagerstown im
Staate Maryland *6). Er übernahm bald die
Farm seines Vaters mit
Gerberei und Ziegelei. Weil er daneben noch die
ausgedehnten Besitzungen seines Schwiegervaters zu verwalten hatte, übertrug
er die Farm seines Vaters 1781 seinem Schwager Hahn.
Er starb
am 7.Marz 1804 während der Tagung des Kongresses in Washington und wurde in
Hagerstown begraben.
Der dritte
Sohn, G
a b r i e l , war 1749 geboren. Er wohnte auf der ältesten
Farm seines Vaters im Amt
Bern, Grafschaft Berks, und betrieb dort ebenfalls
eine Gerberei. 1776 war er Mitglied der Konstitutional -Konvention
wie sein Vetter Joseph und
wirkte von da an fast ständig im öffentlichen
Leben mit.
Von 1776 - 77 stand er als Major im Feld, war von
1778 an
Mitglied des
Gerichtshofes für
Zivilsachen, dann mit Ausnahme weniger
Jahre von 1778 - 90 zugleich
Mitglied des pennsylvanischen Landtages,
1791 und von 1802 - 12 des Repräsentantenhauses der Vereinigten
Staaten, 1795 - 98 Staatssenator für die Grafschaften Berks und Dsuphin
und 1801 pennsylvanischer Prasidentenwähler.
G a b r i e l
H i e s t e r starb
1824.
Der jüngste
der vier
Brüder, W i l h
e l m ( William ), ist 1757 geboren.
Er heiratete
Anna Maria
Meyer (
Myer ), die Tochter des
Gründers
der Stadt Myerstown
in Pennsylvanien, die um 1920 etwa 2.500 Einwohner hatte. Wilhelm war 1777 Hauptmann im Bataillon seines Bruders
Gabriel, später
Staatssekretär von Pennsylvanien.
Er starb 1822 und wurde auf dem Friedhof der Bernkirche begraben.
Welches Ansehen
die Hiesters
genossen, erkennen
wir u.a.
aus dem
Am 13 Januar
1933 fuhr
ich mit meinem Sohn zum
Friedhof der alten Bernkirche und nahm einige Grabinschriften auf. Von hier aus
wollten wir durch den alten ehemaligen
Urwaldbesitz der Hiesters zu der in einem Bachtal
liegenden H
i e s t e r m ü h l e fahren.
In dem welligen Gelände kamen wir
zu einer einsamen Farm. Am Zaun stand ein Bursche und sah
zu uns
hin. Mein Sohn stieg aus dem
Auto und fragte ihn nach dem Weg. Im
laufe der Unterhaltung ergab sich, dass er auch ein Hiester war.
„Alles Land , sagt er, was sie von jener Anhöhe
aus sehen, ist noch immer Hiesterscher Besitz“.
Zur
Mühle sind wir aber doch nicht gekommen. Sie lag uns zu weit von dem geplanten
Wege ab.
Vor
etwa 40
Jahren (
? 1907 ) suchte ein Hüsterscher Nachkomme, ein Geistlicher
aus Reading in Pennsylvanien, die Heimat seines Geschlechts auf
und veröffentlichte die Ergebnisse seiner Nachforschungen in Elsoff in
einer amerikanischen Zeitschrift.
Als
ich 1933 in Reading weilte,
wollte ich ihm Näheres über den Auszug seiner
Vorfahren aus der Grafschaft
Wittgenstein, was ich mittlerweile in dem
Archiv zu Wittgenstein
gefunden hatte, mitteilen, erfuhr aber, dass
er verstorben
sei. Seine
Witwe ließ
mir sagen, sie habe kein Interesse an
solchen Mitteilungen,
worauf mein Interesse an der
Witwe erlosch.
Wenn
man bedenkt, dass die drei
Elsoffer Brüder ohne oder höchstens mit ganz geringer Schulbildung nach
Amerika kamen, muss man über die geistige Tüchtigkeit
staunen, die
sie zu
großen Besitz und zu hohem
Ansehen brachte und zur Übernahme
von Ämtern befähigte, die in jenen wirren und entscheidungsvollen
amerikanischen Zeitverhältnissen
ganze Kerle erforderte.
Die
Söhne aber
haben das neu entstehende Staatsgebilde als Mitglieder der
höchsten verfassungs- -
und gesetzgebenden
Körperschaften die
Vereinigten Staaten verselbständigen, ordnen und festigen helfen.
Anmerkungen
*1)
Die englische Sprache hat kein ü, auch keinen ü - Laut.
*2)
Pennsylvanien war damals noch eine englische Provinz.
*3)
Auf Long Island liegt der östliche Teil Neuyorks.
*4)
vielleicht ein 1805 eingewanderter Johann Benfer aus Fischelbach.
*5)
Pennsylvanien war damals der deutscheste Staat der Union.
*6) Dieser Jonathan Hager
( nach englischer Aussprache H e g
e r ) war ohne Zweifel der Jonathan Hager aus Christianseck,der als 22jähriger
mit einem
Laaspher und
zwei Arfeldern
heimlich nach
Amerika entweichen wollte.
Alle wurden
im Berleburgischen gefangen und zurückgebracht.
Ein
zweiter Fluchtversuch glückte
ihm aber und wir finden in einer Schiffsliste
vom 1. September 1736 zusammen mit einem
Arfelder. In der philadelphischen Liste, in der ihm bestätigt wird, dass
er seinem bisherigen Landesherren abgesagt habe, ist er als Heger unmittelbar nach
einem Matthäus Röser, offenbar einem Elsoffer, eingetragen.
Nach ihm ist
die Stadt H a g e r s t o w n in
Maryland genannt, die auf seinem Grund und Boden errichtet wurde.
Hagerstown hatte 1925 über 30.000 Einwohner.